Die Antidiskriminierungsstelle Braunschweig berät und unterstützt Menschen, die Diskriminierung erfahren haben. Unser Schwerpunkt liegt auf der individuellen Beratung, der Klärung von Handlungsmöglichkeiten und der Begleitung von Betroffenen. Wenn Sie Diskriminierung erlebt haben oder unsicher sind, ob eine Situation diskriminierend war, können Sie sich jederzeit vertraulich an uns wenden. Gemeinsam besprechen wir Ihre Möglichkeiten und informieren Sie über Ihre Rechte.
Was wir als Beratungsstelle leisten
Die Antidiskriminierungsstelle Braunschweig ist eine Beratungsstelle. Unser Auftrag ist es, Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, individuell zu beraten, über ihre Rechte zu informieren und sie bei der Entwicklung passender Handlungsmöglichkeiten zu unterstützen.
Beratung von Betroffenen und die systematische Erfassung von Diskriminierungsvorfällen sind unterschiedliche Aufgaben mit jeweils eigenen fachlichen Anforderungen. Deshalb konzentrieren wir uns auf unsere Kernaufgabe: die qualifizierte Beratung und Begleitung von Ratsuchenden. Die systematische Dokumentation und Auswertung von Diskriminierungsvorfällen übernehmen spezialisierte Meldestellen.
Unsere Beratungstätigkeit dokumentieren wir sorgfältig. Unsere Beratungsstatistik zeigt, mit welchen Anliegen und Diskriminierungserfahrungen Menschen unsere Unterstützung in Anspruch nehmen. Sie dient der Transparenz unserer Arbeit und liefert wichtige Hinweise darauf, welche Diskriminierungserfahrungen Ratsuchende in Braunschweig beschäftigen. Unseren aktuellen Jahresbericht finden Sie hier.
Wenn Sie Diskriminierung erlebt haben oder eine Situation einordnen möchten, können Sie sich jederzeit mit einer Beratungsanfrage an uns wenden.
Wann weitere Stellen wichtig sind
In unserer Beratung prüfen wir gemeinsam mit den Ratsuchenden, welche Schritte sinnvoll sein können. Erreichen Diskriminierungsvorfälle die Schwelle strafrechtlicher Relevanz – etwa bei Sachbeschädigungen, Bedrohungen, Körperverletzungen, Volksverhetzung oder anderen Straftaten –, empfehlen wir grundsätzlich, Strafverfolgungsbehörden einzuschalten und sich gegebenenfalls zusätzlich rechtlich beraten zu lassen.
Insbesondere bei rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt verweisen wir an die Betroffenenberatung Niedersachsen. Sie begleitet Betroffene umfassend und unterstützt auf Wunsch auch im Kontakt mit Polizei und Justiz.
Meldestellen machen Diskriminierung sichtbar
Bereits in unserem Beitrag „Rechte Sticker, Schmierereien und Hate Speech melden“ aus dem Jahr 2024 haben wir darüber informiert, dass Beratung, Meldung und Strafanzeige unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich sinnvoll ergänzen können. Daran knüpfen wir mit diesem Überblick an.
Meldestellen leisten einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung von Diskriminierung. Durch die systematische Dokumentation und Auswertung von Vorfällen können Entwicklungen erkannt, Forschung unterstützt sowie Handlungsbedarfe für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft sichtbar gemacht werden.
Je nach Art des Vorfalls gibt es unterschiedliche spezialisierte Meldestellen (in alphabethischer Reihenfolge):
Ableismus tötet!
Dokumentiert ableistische Gewalt und Diskriminierung gegenüber behinderten und chronisch kranken Menschen sowie tödliche und lebensbedrohliche Vorfälle.
https://ableismus.de/toetet/de/hinweise-einreichen
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W)
Erfasst und dokumentiert Gewalt gegen wohnungslose Menschen bundesweit.
https://www.bagw.de/de/themen/gewalt/uebersicht
CLAIM / I-Report
Meldestelle für antimuslimische und islamfeindliche Vorfälle. Die Meldungen fließen in die bundesweite Dokumentation antimuslimischen Rassismus ein.
https://www.i-report.eu/
Meldestelle Antifeminismus
Dokumentiert antifeministische Vorfälle und macht Angriffe auf Gleichstellung, feministische Akteur*innen und geschlechtliche Vielfalt sichtbar.
https://antifeminismus-melden.de/
MIA – Melde- und Informationsstelle Antiziganismus
Erfasst bundesweit antiziganistische Vorfälle und dokumentiert Diskriminierung sowie antiziganistische Gewalt.
https://www.antiziganismus-melden.de/
MIQ Niedersachsen
Dokumentiert queerfeindliche Diskriminierung und Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen in Niedersachsen.
https://miq-nds.de/de
RIAS – Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus
Erfasst antisemitische Vorfälle – unabhängig davon, ob sie strafrechtlich relevant sind – und trägt zu deren bundesweiter Dokumentation bei.
https://report-antisemitism.de/report/
Rechte Sticker, Schmierereien und Hate Speech melden
Wer demokratie- oder menschenfeindliche Sticker, Graffiti oder andere rechte Symbole im öffentlichen Raum entdeckt oder Hassrede im Internet beobachtet, kann sich zusätzlich an weitere Stellen wenden.
Bei strafrechtlich relevanten Inhalten kann jederzeit Anzeige bei der Polizei erstattet werden, beispielsweise über die Onlinewache der Polizei Niedersachsen: Onlinewachen der Polizeien der Länder – Offizielles Portal
Hasskriminalität im Internet kann zudem bei der Zentralstelle für Hasskriminalität im Internet (ZHIN) angezeigt werden
Weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote
Neben den spezialisierten Meldestellen gibt es Beratungsangebote für Betroffene:
- Betroffenenberatung Niedersachsen
Unterstützt Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie Angehörige und Zeug*innen. Auf Wunsch begleitet sie auch im Kontakt mit Polizei und Justiz.
https://betroffenenberatung.de/ - HateAid
Beratung und Unterstützung für Menschen, die von digitaler Gewalt und Hass im Netz betroffen sind.
https://hateaid.org/beratung/ - hatefree
Rechtliche Erstberatung und Unterstützung bei Bedrohungen, Beleidigungen und Hasskriminalität im digitalen Raum.
https://hatefree.de/meldeformularschritt1/
Beratung, Meldung und Anzeige ergänzen sich
Beratung, Meldung und Strafanzeige erfüllen unterschiedliche Aufgaben – und können sich gegenseitig ergänzen. Während wir Betroffene individuell beraten und begleiten, dokumentieren spezialisierte Meldestellen Diskriminierung systematisch. Liegt eine Straftat vor, können zudem Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden.
Je nach Situation kann es sinnvoll sein, diese Wege miteinander zu verbinden: sich beraten zu lassen, einen Vorfall bei einer spezialisierten Meldestelle zu dokumentieren und – wenn eine Straftat vorliegt – Anzeige zu erstatten. So erhalten Betroffene die Unterstützung, die sie benötigen, und gleichzeitig tragen Meldungen dazu bei, Diskriminierung sichtbar zu machen und gesellschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen.